Verleihung der Ehrennadel                                                                              

 

DER VERBAND BAYERISCHER GESCHICHTSVEREINE e.V.

verleiht

Herrn Landrat a.D. Dr. Georg Karl

 dem Gründungs- und Ehrenvorsitzenden des Geschichtsvereins für den Landkreis Deggendorf e.V.,
die Ehrennadel des Verbandes und würdigt damit
seine außerordentlichen Verdienste um die Entstehung
und Entwicklung des „Deggendorfer Geschichtsvereins“
und um die Geschichtskultur im gesamten Landkreis. 

 

Metten, am 24. Februar 2016 

Prof. Dr. Manfred Treml, 1. Vorsitzender

  


Prof. Dr. Manfred Treml und Dr.Georg Karl

 


 

 

Laudatio

Verleihung der Ehrennadeln am 24.2.2016

in Deggendorf

 

 

Die Ehrennadel, die der Verband im Jahre 2008 eingeführt hat, wird an langjährige Mitglieder historischer Vereine verliehen, die verantwortungsvoll in Vorstand oder Beirat mitgewirkt haben und sich um ihren Verein in besonderem Maße verdient gemacht haben.

 

Der große Historiker Franz Schnabel hat 1952 zum hundertjährigen Jubiläum des Gesamtvereins der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine das Lob der historischen Vereine gesungen und ihnen damit ein würdiges Denkmal gesetzt:

 

„Es ist der Ruhm unserer Vereine, dass ihnen die Beschäftigung mit der Geschichte niemals Selbstzweck und niemals ein müßiges Spiel gewesen ist.

Immer war es ein echtes Bedürfnis des Lebens, wenn in einer Stadt, einem Kreise, einer Provinz, einem Territorium Männer und Frauen, die im Leben standen,

sich zusammengeschlossen haben im gemeinsamen Interesse an der Geschichte der Heimat...“

 

Die im Verband bayerischer Geschichtsvereine zusammengeschlossenen etwa 230 Vereine, Institute und Kommissionen lassen sich ganz in diesem Sinne als „Kompetenzzentren für Geschichtsbewusstsein“ und als vielleicht wirksamste Lobby für Landes- und Regionalgeschichte in Bayern und Deutschland darstellen.

 

Als überlebensfähige Kinder der bürgerlichen Gesellschaft

des 19. Jahrhunderts und wertvolle Produkte einer fruchtbaren Bürgerkultur sind sie nach wie vor wichtige Garanten für regionale Identität.

Ohne das bildungsbürgerliche Engagement der Historischen Vereine nämlich sähe unsere regionale Kulturlandschaft sehr viel bescheidener aus, wäre es um die Geschichtskultur unseres Landes und das Geschichtsbewusstsein seiner Bürger weitaus schlechter bestellt.

  

Deshalb brauchen wir dieses bürgerliche Engagement auch weiterhin – vielleicht sogar dringender denn je, um auch unseren Kindern ein heimatliches und kulturell vielgestaltiges Bayernland zu erhalten.

 

Und wir brauchen Menschen, Bildungsbürger, die sich dafür einsetzen, Zeit opfern, Ideen kreieren, Netzwerke spinnen,

Geld beschaffen, Vorträge und Führungen organisieren,

Beiträge schreiben und Exkursionen gestalten etc. etc. etc.

  

Ich freue mich daher sehr, dass ich als Vorsitzender dieses Verbandes mit den Herren Dr. Karl und Prof. Behrendt  zwei Persönlichkeiten auszeichnen darf, die sich zu diesem gemeinsamen Zweck zusammengefunden und wertvolle Beiträge dafür geleistet haben, obwohl ihre Lebensläufe unterschiedlicher nicht sein könnten.

 

Ich beginne mit Herrn Landrat a.D. Dr. Georg Karl, dem Gründungs- und Ehrenvorsitzenden des Geschichtsvereins für den Landkreis Deggendorf e.V.

Die  Ehrennadel des Verbandes würdigt seine außerordentlichen Verdienste um die Entstehung und Entwicklung des „Deggendorfer Geschichtsvereins“ und um die Geschichtskultur im gesamten Landkreis.

 

Das Fundament war gut bei diesem Altmettener – wie mein Vater übrigens auch und auch mein Doktorvater Karl Bosl. Wer übrigens Pater Wilhelm Fink als Lehrer genießen durfte, der war wohl nachhaltig infiziert mit dem historischen Virus.

Den Lehrern zum Trost sei angemerkt, dass offensichtlich nicht alles verloren ist, was sie ihren Zöglingen beizubringen versuchen.

 

Dr. Karl war kaum Landrat geworden, da richtete er die Stelle eines Kreisarchäologen ein, zur damaligen Zeit eine Innovation von höchstem Grade. Die Auswirkungen kann man gar nicht hoch einschätzen. Der Landkreis Deggendorf wurde zum archäologischen Forschungszentrum und zum Mekka der regionalen Archäologie –und ist es bis heute geblieben.

 

Und gleich im nächsten Zuge sorgte er für die Gründung eines neuen Geschichtsvereins, nachdem der frühere von Pater Fink geführte nicht mehr bestand.

Schon bei der Gründungsversammlung 1979 wurde er zum

1. Vorsitzenden gewählt und er blieb es bis 2006 – eine Beständigkeit, vor der man nur den Hut ziehen kann.

 

Und er sorgte in diesen 27 Jahre  für seinen auf Stadt und Landkreis bezogenen Verein mit all seinen Möglichkeiten von der Mitgliederwerbung bis zur finanziellen Unterstützung

 

Seine vielen anderen Ämter und Ehrungen will ich hier gar nicht erwähnen. Sie steigern meinen Respekt vor den Vereinsaktivitäten Dr. Karls nur noch, weil der Stellenwert, den er der Geschichtsvermittlung einräumte, erst auf diesem Hintergrund voll einzuschätzen ist.

 

Ohne ihn, das kann man ohne Übertreibung feststellen, wäre dieser Geschichtsverein nicht entstanden und hätte sich nicht zu dieser beeindruckenden Einrichtung der regionalen Geschichtskultur  entwickelt, die heute auch mit durchaus wegweisenden Initiativen aufwarten kann.

 

Der Verband der bayerischen Geschichtsvereine ist Ihnen, sehr verehrter Herr Dr. Karl zu großem Dank verpflichtet , und ich zeichne Sie daher mit großer Freude mit der Ehrennadel des Verbandes aus.

 

Ich darf als zweiten, leider nur in absentia, Herrn Prof. Dr. Lutz Dieter Behrendt würdigen.

 

Der Verband verleiht ihm die Ehrennadel des Verbands für seine kompetente und engagierte Mitwirkung in der Schriftleitung der „Deggendorfer Geschichtsblätter“ seit 2001 und seine wertvollen wissenschaftlichen Beiträge zur Geschichte von Stadt und Landkreis.

 

Ein Blick auf die Lebensgeschichte ist bei ihm besonders aufschlussreich.

1941 in altmärkischen Salzwedel geboren, machte er nach Studium der Geschichte, Slavistik und Pädagogik in Jena, Promotion und Zusatzstudium in Moskau eine wissenschaftliche Karriere an der Universität Leipzig und wurde in der DDR mehrfach mit hohen Auszeichnungen bedacht.

 

Nach der Wiedervereinigung  fand er noch Beschäftigung in einigen Projekten an der Universität Leipzig, wurde aber 1999 schließlich arbeitslos.

 

In diesem Jahr kam er nach Deggendorf und übernahm statt über sein Schicksal zu klagen im dortigen Stadtarchiv eine wissenschaftliche Mitarbeiterstelle und zwei Jahre später die Schriftleiterfunktion für die Deggendorfer Geschichtsblätter.

 

Von Anfang an stürzte er sich kompetent und mit Eifer in die Regionalgeschichte, so dass er heute bereits eine stattliche Liste von einschlägigen Aufsätzen vorlegen kann, deren wissenschaftliche Qualität außer Frage steht und deren thematische Breite bewundernswert ist.

Seit 1999 bereichert er so die Forschung zur Stadt- und Landkreisgeschichte mit kontinuierlichen und profunden Beiträgen. 

Deggendorf, so kann man sagen, hat einen weiteren Stadthistoriker gefunden, von dem noch einiges zu erwarten ist.

 

Prof. Behrendt ist damit auch ein lebendiges Beispiel für eine gelungene Integration, die ihn vom DDR-Lehrstuhl bis hin zur Deggendorfer Regionalgeschichte führte. Sein Engagement zeugt zugleich auch von der integrierenden und identitätsstiftenden Kraft unserer Vereine, die Menschen zusammenbringen und ihnen auch Räume zur Selbstverwirklichung  anbieten.

 

Für diese Gesamtleistung zeichnet der Verband bayerischer Geschichtsvereine Herrn Prof. Behrendt mit seiner Ehrennadel aus und würdigt damit seinen wertvollen Beitrag, den er als Autor und Schriftleiter für die Geschichte von Stadt und Landkreis Deggendorf  geleistet hat.

 

Herr Dr. Schütz wird Ehrennadel und Urkunde  vermutlich in der nächsten Woche Herrn Prof. Behrendt aushändigen.

 

Prof. Dr. Manfred Treml (2. von rechts) und Dr.Georg Karl (3. von links)