Der 43. Bayerische Heimattag, den es als Institution und Tagung seit 1949 gibt und der die zentrale gemeinsame Veranstaltung des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege, des BUND Naturschutz in Bayern und des Verbandes bayerischer Geschichtsvereine ist, fand am 19./20. Juni 2026 in Bamberg statt.
Als Motto wurde diesmal gewählt: „Heimat braucht Medienvielfalt“, denn für die Vermittlung der unterschiedlichen, aber auch sich überschneidenden Anliegen, Werte und Vorstellungen der drei Verbände des Bayerischen Heimattags ist eine kleinteilige und dabei vielfältige Medienlandschaft von größter Bedeutung, sei es die Lokalpresse, der private Rundfunk, das Privatfernsehen und nicht zuletzt der Bayerische Rundfunk (BR) als das öffentlich-rechtliche Leitmedium in Bayern.
Nicht ohne Grund hat der Bayerische Heimattag deshalb einen Vertreter im Rundfunkrat des BR (derzeit Dr. Rudolf Neumaier, der Geschäftsführer des Landesvereins für Heimatpflege) und einen im Medienrat der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (Dr. Michael Stephan, der Vorsitzende des Verbands bayerischer Geschichtsvereine). Der BUND Naturschutz hat als eigene Organisation einen Sitz im Rundfunkrat (die stellvertretende Landesvorsitzende Doris Topper) und einen im Medienrat (der frühere Landesgeschäftsführer Peter Rottner).
Der Verband bayerischer Geschichtsvereine hat momentan den Präsidiumsvorsitz beim Bayerischen Heimattag und war deshalb turnusmäßig mit der Vorbereitung und der Organisation des diesjährigen 43. Heimattags an der Reihe.
Die Tagung begann mit einem eher touristischem Begleitprogramm: Wegen der großen Hitze nahmen nur wenige Teilnehmer(innen) an der Erlebnisführung durch die Altstadt („Bamberg: Faszination Welterbe“) teil, dafür waren die beiden Führungen durch die frisch renovierte und erst vor kurzem wiedereröffnete und schön kühle Kirche St. Michael ausgebucht.
Am Nachmittag fand die Mitgliederversammlung des Verbands bayerischer Geschichtsvereine im Stadtarchiv Bamberg statt (Protokoll folgt). Passend zum Tagungsthema fand ein lebhafter Erfahrungsaustausch zwischen den anwesenden Vertretern der Geschichtsvereine hinsichtlich der Nutzung digitaler Medien sowie sozialer Netzwerke statt.
Ein vielversprechendes Projekt aus München konnte noch nicht vorgestellt werden, da es sich noch im Aufbau befindet und der offizielle Start erst am 13. Juni 2026 zum 868. Stadtgeburtstag erfolgt ist (www.muenchner-zeitenspruenge.de). Die neue Plattform verbindet lokale Geschichte mit modernen digitalen Vermittlungsformen. Besucherinnen und Besucher finden dort momentan 13.600 Datensätze, 5 besprochene Podcasts, 12 Quiz, 2.000 Einträge in der Karte; darunter sind kompakte Faktenformate, historische Karten, Suchbegriffe und weitere interaktive Informationsmöglichkeiten. Das Projekt wird vom Verein Münchner Stadtteilgeschichte unterstützt, dessen 1. Vorsitzende Beate Bidjanbeg im Verband bayerischer Geschichtsvereine Beiratsmitglied ist.
Wir werden das Thema nächstes Jahr beim Tag der bayerischen Landesgeschichte (Ort noch nicht festgelegt!) weiterverfolgen und prüfen, inwieweit die Homepage des Verbands für solche Informationen genutzt werden kann.
Dank der Mitarbeiter des Stadtarchivs und einiger Mitglieder des Historischen Vereins von Bamberg waren wir mit ausreichend Getränken versorgt.
Am Abend fand in einem historischen Gebäude der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, in dem auch der Historische Verein von Bamberg seine Veranstaltungen abhält, die Eröffnungsveranstaltung des Heimattages statt. Dr. Stephan als Präsidiumsvorsitzender begrüßte die Teilnehmer(innen), darunter besonders Prof. Dr. Hubert Weiger, den langjährigen Vorsitzenden des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) (2007-2019) und Landesvorsitzende des BN in Bayern (2002-2018), mit dem wir in vergangener Zeit viele Heimattage zusammen organisiert haben. Dr. Stephan erinnerte an den 29. Bayerischen Heimattag, der im Juni 1997 auch in Bamberg stattfand, damals noch mehrtägig. Bemerkenswert war, dass damals Bundespräsident Roman Herzog ein Grußwort sprach, und der kürzlich verstorbene, damalige Kultusminister Prof. Dr. Hans Maier den Festvortrag hielt. Offensichtlich bäckt der Heimattag jetzt kleinere Brötchen!
Das Grußwort hielt auch nicht der angekündigte, bei der Kommunalwahl am 8. März neu gewählte Oberbürgermeister Sebastian Niedermaier, sondern die 3. Bürgermeisterin Eva Jutzler (auch SPD). Für den Festvortrag war ursprünglich (bei dem Tagungsthema „Heimat und Medien“ angemessen) Dr. Katja Wildermuth vorgesehen, die Intendantin des Bayerischen Rundfunks und eine promovierte Historikerin. Sie ließ sich aber vertreten durch die aus Coburg stammende Iris Mayerhofer, die Leiterin des Programmbereichs „Unterhaltung und Heimat“ beim BR. Ihr Festvortrag (mit vielen Bild- und Filmbeispielen) stand unter dem Titel: „Wie der BR Bayern verbindet: Heimat sehen, hören und erleben“, und machte im besten Sinne Werbung für das Leitmedium BR.
Musikalisch wurde der Abend von einer oberfränkischen Volksmusikgruppe begleitet. Den anschließenden Empfang richtete nicht wie üblich die gastgebende Stadt aus (Bamberg hat noch keinen genehmigten Haushalt und konnte deswegen keine Zusage erteilen), sondern die Veranstalter selbst.
Die Fachveranstaltung am Samstag (20. Juni) wurde von Beate Rutkowsi eröffnet, der stellvertretenden Landesvorsitzenden des BN, in Vertretung für den verhinderten Landesvorsitzenden Martin Geilhufe, der erst im November 2025 die Nachfolge von Richard Mergner angetreten hat.
Den Reigen der Fachvorträge eröffnete Prof. Dr. Markus Behmer vom Institut für Kommunikationswissenschaften an der Universität Bamberg: „Von der Schwierigkeit, Vielfalt zu ermessen. Schlaglichter auf das regionale Medienangebot seit den 1920er Jahren“. Er ist dem Verband bayerischer Geschichtsvereine wegen dessen Mandats im Medienrat besonders verbunden. Erwähnt seien in diesem Zusammenhang nur zwei Publikationen: die von ihm zusammen mit Vera Katzenberger 2021 herausgegebene Studie „Vielfalt vor Ort. Die Entwicklung des privaten Rundfunks in Bayern“, und sein Beitrag in der 2023 von Dr. Michael Stephan herausgegebenen Festschrift zum 80. Geburtstag seines Vorgängers als 1. Vorsitzender des Verbands bayerischer Geschichtsvereine: „Funktion und Stellenwert lokaler Kommunikation. Manfred Tremls Wirken im Medienrat der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien“.
Auch der nächste Referent wurde bewusst ausgewählt im Hinblick auf den Tagungsort. Der Historiker und Volkskundler Prof. Dr. Günter Dippold ist seit 1994 Bezirksheimatpfleger von Oberfranken und wurde 2004 zum Honorarprofessor für Europäische Ethnologie der Universität Bamberg berufen. Er ist darüber hinaus seit 1997 1. Vorsitzender des „Colloquium Historicum Wirsbergense“, mit fast 2.000 Mitgliedern einer der größten Geschichtsvereine im Verband bayerischer Geschichtsvereine. Das eindrucksvolle Jahresprogramm (www.chw-franken.de) reicht bereits bis zum April 2027. Sein pointierter Vortrag „Heimatpflege und Medien – Reflexionen am regionalen Beispiel“ beruhte auf persönlichen Erfahrungen: Seit 2016 strahlt der regionale Fernsehsender TV Oberfranken die Reihe „Ein Fall für Dippold“ aus, in der er in jeder Sendung ein ausgewähltes historisches Denkmal oder historisches Ereignis erläutert (https://www.tvo.de/mediathek/kategorie/rubriken/ein-fall-fuer-dippold/).
Den Abschluss der Fachveranstaltung machte Dr. Thomas Büttner, seit 2020 wissenschaftlicher Mitarbeiter des Landesvereins für Heimatpflege, und stellte das digitale Mitmach-Projekt „Kulturlandschaftsforum Bayern“ vor. Es handelt sich hierbei um eine digitale Kulturlandschaftsdatenbank, in der Ehrenamtliche ihr landschaftliches und heimatkundliches Wissen einspeisen können: von der Altstraße über den Sommerkeller oder religiösen Flurdenkmälern bis hin zu historischen Landnutzungsformen wie z.B. Stockausschlagwälder, Baumfelder und Wässerwiesen
(www.kulturlandschaftsforum-Bayern.de; https://erfassung.kulturlandschaftsforum-bayern.de).
Das Schlusswort der Fachveranstaltung hatte wiederum Prof. Dr. Günter Dippold als stellvertretender Vorsitzender des Landesvereins für Heimatpflege (seit 2020) für den erkrankten Vorsitzenden Dr. Olaf Heinrich. Er zog ein kritisches Resümee der Tagung (gutes Programm; nur 30 Teilnehmer) und mahnte für die nächste Präsidiumssitzung eine Grundsatzdebatte zur Zukunft des Heimattages an.
Berechtigt ist die Kritik, dass bei dem Thema „Heimat braucht Medienvielfalt“ gerade die örtlichen Medien (TV Oberfranken, Radio Bamberg, Mediengruppe Oberfranken in Bamberg mit regionalen Zeitungen) nicht rechtzeitig eingebunden wurden, so dass das Medienecho auf den 43. Bayerischen Heimattag in Bamberg gegen Null tendiert.
Den schönen Abschluss der Tagung bildete die Busexkursion in die Klosterlandschaft Ebrach, nicht ohne uns vorher im Brauhaus Sternla gestärkt zu haben. Dank an den neugewählten Landrat von Bamberg Johannes Maciejonczyk (CSU), der als vorheriger Bürgermeister von Burgebrach gerne die Kosten für den Bus des dortigen Unternehmens Spörlein übernommen hat.
Die Führung war bestens vorbereitet und durchgeführt von Dr. Thomas Büttner, der damit ganz aktuell und anschaulich seinen vormittäglichen Vortrag illustrierte. Der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU) hat gemeinsam mit seinen Mitgliedsverbänden die „Klosterlandschaften“ mit all ihren Facetten zum Thema des Kulturerbes des Jahres 2026 gewählt. Ebrach war ein Zisterzienserkloster (heute JVA) und ist deshalb auch in einem anderen Forschungszusammenhang interessant (www.cisterscapes.eu).
Ein großer Dank geht an das Sekretariat des Heimattages, das Dr. Martina Kigle, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Landesvereins für Heimatpflege, erst in diesem Jahr von Michael Ritter übernommen hat. Zu ihren Aufgaben gehört auch die Redaktion der Zeitschrift „Schönere Heimat“ des Landesvereins. Pünktlich zum Heimattag hat sie ein sehr schönes Bamberg-Heft vorgelegt. In dem Heft ist auch ein historischer Beitrag von Horst Gehringer, dem Leiter des Stadtarchivs Bamberg: „Bamberg – ein Ort der Demokratie“ (Bamberger Verfassung von 1919). Horst Gehringer gebührt neben Prof. Dr. Markus Behmer auch ein großer Dank: Sie waren die zuverlässigen Ansprechpartner vor Ort und trugen letztendlich auch zum Gelingen des 43. Bayerischen Heimattages in Bamberg bei.
Dr. Michael Stephan
1. Vorsitzender des Verbands bayerischer Geschichtsvereine